Carpet LA, Glendale
© und Foto: Silvina Der-Meguerditchian

Sprachlosigkeit

Das laute Verstummen

Mitten in der östlichsten Großstadt Deutschlands – in Dresden – widmet sich das Museum für Völkerkunde in der Topographie des Japanischen Palais dem Thema der „Sprachlosigkeit“. Ausgehend von der poetischen Widerstandskraft von Literatur fragt die Ausstellung nach Möglichkeiten der Überwindung eines Schweigens, das als Folge erlittener kollektiver Traumata bis heute unsere Gegenwart prägt.

  • Laufzeit 16.04.2021—01.08.2021
  • Öffnungszeiten täglich 28.08.2020, 10—18 Uhr, Montag geschlossen  (Damaskuszimmer)

Der Begriff

Der Begriff „kollektives Trauma“ beschreibt extreme Gewaltereignisse – Krieg, Genozid, Verfolgung und Vertreibung – die tiefe Spuren und Narben im kollektiven und individuellen Gedächtnis hinterlassen. Er ist auch anwendbar auf das, was diktatorische Herrschaftssysteme und strukturelle Gewalt wie Kolonialismus, Rassismus und Antisemitismus bewirken. Welt, Selbst und Stimme gehen verloren. Diese Erfahrungen, die mit einem Gefühl der Ohnmacht einhergehen, setzen sich über Generationen hinweg im kollektiven Gedächtnis fest und prägen das Fühlen, Denken und soziale Handeln der Menschen.
Die Ausstellung befragt unterschiedliche Formen und Ursachen von Sprachlosigkeit im Hinblick auf eine differenzierte und zugleich globale Perspektive: Von der Enteignung der australischen Aborigines über die Shoah in Europa zum Völkermord in Bosnien vor 25 Jahren bis zu den Gewalterfahrungen der sogenannten Trostfrauen im 2. Weltkrieg in Südostasien.

© und Foto: Silvina Der-Meguerditchian
Carpet LA, Glendale

Dabei steht

Dabei steht die Utopie einer Zukunft jenseits der Sprachlosigkeit im Zentrum des Vorhabens und bildet den Ausgangspunkt für eine methodenkritische Ethnographie und künstlerische Spurensuche.

Welche vielstimmigen Möglichkeiten gibt es, das Schweigen, das transgenerational weiterlebt zu überwinden und welche Chancen im Hinblick auf die individuelle und gesellschaftliche Handlungsfähigkeit eröffnen sie? Poetisch und fantasievoll zeigt die Ausstellung in einem Geflecht aus Objekten der Sammlung, aktuellen künstlerischen Positionen und Initiativen von Aktivist*innen Wege aus der Sprachlosigkeit und schafft damit

– ähnlich der Literatur – einen imaginären Resonanzraum, in dem unaussprechliche Erlebnisse in ihrer Ambivalenz fühl- und hörbar werden. Sie reflektiert die historischen, politischen und gesellschaftlichen Ursachen und lässt die (Heil)Kraft erlebbar werden, die entsteht, wenn Verstummte eine Stimme bekommen.

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